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ich schau gerade simmering gegen kapfenberg, strache gegen westenthaler, 2 rechtspopulistische arschlöcher /fpö, bzö/, köstlich wie sich die gegenseitig fertigmachen....vor 50 jahren haben wir österreicher fast 300.000 magyaren beim ungarnaufstand in unserem land aufgenommen, manche reisten weiter in die usa, da ging es uns damals viel schlechter, ich schäm mich für die politischen ansichten von einigen österreichern, nicht nur für die von politikern, vielleicht muß ich mich eines tages dafür rechtfertigen, daß ich mit einem sudanesischen asylanten, der vor dem bürgerkrieg und dem terror in seinem land geflohen ist und von seinen verwandten den ganzen tag nur geschlagen wurde, sehr gut befreundet bin, er ist ja so "dunkel"

15.9.06 23:19
 


in irland gibts keine schlangen, weil dort ja die eiszeit war,

deshalb ist irland so beliebt
weil es dortn pubs (public hauses, kneipen)  und keine schlangen gibt

so - auch gammelfleisch braucht bewegung
bis nachher, ich mach eine kleine runde

kommentiert schön brav, damit ich,
wenn ich wiederkomm ein bisserl was zu arbeiten hab (zurückkommentieren) jaja - so ist das

bussi, el c.

man bezeichnet ein produkt, das wo herkommt, wo es nicht herkommen kann, als "polnische banane" (gerade gehört)

15.9.06 22:16
 


der einzige nachtheil bei guten oliven ist doch nur, daß man darauf nicht gut furzen kann

15.9.06 22:06
 


don pedro, mein letzter und bester aller trainer die ich je hatte, mit abstand, wird demnächst hier als gastschreiber von einem wettkampf berichten, wo er betreuer war, er ist ja nicht nur ausgebildeter trainer, sondern auch physiotherapeut...don pedro ist auch seit 1997 ein sehr guter freund von mir....wahnsinn was der mann leistungsmäßig aus mir altem ausdauertier und startnummernschwein in der letzten saison rausholte....es ist dies ein ultralangstreckenwettkampf, wo radfahrer allein und in der mannschaft, international besetzt, die gesamte strecke der heurigen tour de france, in einem durch und ohne pause gefahren sind...bin schon neugierg, wann er mir das erste mail schickt...

15.9.06 20:47
 


mit lucas und marc bei der tankstelle auf 2 bier vorn gewesen....gespräche

15.9.06 19:43
 


lucas hat heute seinen 19. geburtstag, wir treffen torten und biere .......an

15.9.06 17:46
 


Gurken und Kiefern, Äpfel und Schnee

Laudatio zum Hermann-Lenz-Preis an Jürgen Becker.

Es ist schwer geworden, etwas zu einem Buch zu sagen, zu den Büchern überhaupt, zu einem Autor, zur Literatur; anders schwer; problematisch – ohne dass es im Voraus eine Zuversicht gibt, das Problem könnte im Bereden der Bücher sich als fruchtbar erweisen. Ein fast allgemeines öffentliches Loben geht ja um, was die Literatur betrifft, inbegriffen die neuere und auch die neueste, die so genannten Neuerscheinungen.

Es hagelt, knattert, bimmelt, schalmeit in den Zeitungs- und mehr noch in den Fernsehbesprechungen von Lobeswörtern wie »großartig«, »wunderbar«, »epochal«, »Meisterwerk«, »durchgelesen in einem Zug«. Doch solch ein Loben, auch wenn es, anders als in quicken TV-Verlautbarungen, mit Begeisterung und Sorgfalt – kein Widerspruch –, wie immer noch da und dort auf den Literaturseiten, schriftlich begründet und glaubhaft gemacht wird: solch ein Loben, es wirkt kaum mehr, es zieht kaum mehr, es, so stichhaltig es immer wieder daherkommt, sticht nicht recht. Es bleibt gegenwärtig gar oft ein gespenstisches Lob, ein Lobesgespenst, und die Neuerscheinungen, so von Lobscheinwerfern angestrahlt sie auch sein mögen, erscheinen, ohne zu erscheinen. Jeden Tag ein oder mehrere Literaturpreise, und jeden Tag wenigstens eine da und dort gedruckte Laudatio.

Seltsames Geheimnis: das Lob für ein Buch, für einen Autor, für seine Bücher zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort – gar zu selten scheint sich solches inzwischen einzustellen. Wenn ich dabei zum Beispiel an die Hermann-Lenz-Preisträger in den Jahren vor Jürgen Becker denke, dann sehe ich Josef W. Janker ebenso wenig gelesen wie eh und je, zittriger und verlassener denn je, tapfer aber dabei wie nur ein Janker, vor dem Bodensee stehen; sehe Johannes Kühn in seinem Dorf, von dessen Rändern bis in die nicht vorhandene Mitte verstärkt, die saarländische Schwermut verkörpern; sehe Ralf Rothmann nicht nur fern vom Ruhrgebiet, den Preis damals in Passau weniger als ein Fest für seine Romane als ein Buchdeckelschließen und so noch vermehrte persönliche Klaustrophobie erleben; sehe ich Erich Wolfgang Skwara sich stärker noch als vorher am Pazifischen Ozean von San Diego über die Verkaufszahlen seiner Bücher die Haare raufen; sehe ich Joseph Zoderer, unbedankt von den deutschen Lesern nach wie vor, weiterhin verdammt, sein Heil in seinem Südtirol und, mehr noch, südlich von Rovereto zu suchen; sehe ich Walter Kappacher wie seit Ewigkeiten aus seiner Dachwohnung in Obertrum bei Salzburg Ausschau nach mehr als nur dem einen und dem anderen Leser halten, stoisch zwar, aber auch ein klein wenig bitter; sehe ich Franz Weinzettl, für dessen Aufnahme in die Bibliothek Suhrkamp der Lenz-Preis und mein Vorschlag nicht stark oder stichhaltig genug waren.

»Ein Keil Wildgänse am Himmel, kurz vor dem Dunkelwerden…«

So vermeide ich bei Jürgen Becker jetzt vorderhand das Lob und spiele den Kritiker, beginne oder spiele mit ein paar Einwänden: Lieber Jürgen Becker! In deinen Büchern, von Erzählen bis Ostende über Aus der Geschichte der Trennungen, Schnee in den Ardennen bis zu den Folgenden Seiten (dem Buch für den kommenden Herbst jetzt), wird entschieden zu wenig gegangen und zu viel gefahren. Wenn der sonderbare Held, ob er nun Johann heißt oder Jörn Winter, einmal geht, dann höchstens zu seinem Auto oder über die Straße zu dem und jenem Gasthaus, sei es in West- oder Ostdeutschland. Nicht einmal richtig Stiegen steigen lässt du ihn. Mehr Gehen statt Fahren, so der Kritiker hier, hätte dich vielleicht bewahrt vor Ausdrücken wie »akustische Phänomene«, »rekapitulieren«, »der nächste Punkt der Tagesordnung«.

Aber halt, Kritiker: Finden sich nicht in Erzählen bis Ostende Sätze wie: »Johann ging viel in seiner Freizeit spazieren, und er hatte einen Instinkt für Straßen und Gegenden, in denen er fast keinen Menschen sah?« Und wie kann jemand, der nur fährt, einen Absatz schreiben wie den da: »Ein Keil Wildgänse am Himmel, kurz vor dem Dunkelwerden… Ein müder Mann steigt die Treppe hoch [na also!], zu müde, um die Gegend zu verlassen… Wildgänse waren doch Vögel der Jugend; und es waren die alten Männer, die knarrend in den Holzstuben verschwanden. Wer spricht jetzt? So lange die Abende kalt bleiben, kann man in den Vorortstraßen Stimmen verstehen.«

Aber weiter im Kritikspiel: Sag, Jürgen, wie hältst du’s mit der Liebe? Kaum wo in deiner Prosa erzählst du eine Liebesgeschichte, außer vielleicht ein paar Liebeleien deines Halbwüchsigen Jörn im Erfurt des Kriegs und des Nachkriegs. Und wohin führt ein Erzählen ohne ein Liebesdrama? Schwerlich bis nach Ostende, ja nicht einmal in den Schnee der Ardennen. Aber halt ein, Kritiker, auch hier: Wenn schon nicht gerade Geschichten der Vereinigungen die Bücher Jürgen Beckers durchziehen, so umso stärker die Geschichten der Trennungen, zusammen mit den Geschichten der Versäumnisse, wodurch, was Liebe meint /meinen als »minnen«/, umso einschneidender eine Lesespur hinterlässt. Ah, und war das denn keine Liebesgeschichte, die zwischen Mutter und Sohn in einem von Beckers Hauptbüchern, eben Aus der Geschichte der Trennungen? »Die Mutter war der einzige Mensch, dem ich ein paar Tagträume anvertraute«; und: »Sie musterte ihr Gesicht in einem kleinen Taschenspiegel, den sie plötzlich in der einen Hand hielt; …genauso plötzlich stand in der anderen Hand die goldschwarze Hülse mit der hochgedrehten dunkelroten Kuppe, die sie sorgsam mehrere Male über die geöffneten Lippen führte, dann kniff sie zweimal ihren Mund ein, der Jörn wie ein ovaler roter Mond vorkam, und reckte ein bißchen das Kinn vor. Im Garten sonnte sich die Mutter im Liegestuhl; manchmal durfte ihr der Junge die Schultern, den Hals mit Niveacreme einreiben; dann hielt sie die Augen geschlossen.« Und zuletzt »das gnadenlose Licht« beim Abschied von der Mutter, welcher der geschiedene Ehemann das Zusammensein mit dem Sohn untersagt hat, gefolgt bald danach von dem Ertrinkungstod der Frau, wohl einem Selbstmord, in einem See nah der polnischen Grenze. Wer weiß: alle Jürgen-Becker-Texte geheime Liebesgeschichten?

»So bewegte ich mich über Eis, über sehr dünnes Eis…«

Ein letztes Mal jetzt noch »der Kritiker«: Zu dessen Rolle gehört es, oder hat es gehört, sein Sich-Mokieren, Ablehnen, Nichtverstehen einzuleiten mit einem »Ich gestehe«. Ich hier habe aber im Ernst etwas zu gestehen: Vor mehr als vierzig Jahren habe ich, als Student, für den Österreichischen Rundfunk eine Kritik zu Jürgen Beckers Buch Felder geschrieben. Meine Erinnerung sagt, dass ich den Band der edition suhrkamp seinerzeit zwar nicht kurzweg abgetan, aber doch eher achtlos behandelt habe. Und das kam in etwa so: Es war damals gegen die Mitte der sechziger Jahre, und nicht nur in Graz, im Kreis um die manuskripte, es war das die Zeit der Konkreten Poesie. Und, obwohl mit meinen Prosaanfängen nicht zu dem Kreis gezählt, war ich, weniger als Leser denn als Betrachter und Hörer, hypnotisiert von den puren Formen, streng und rein oberflächlichen, strikt nichts Inhaltliches bedeutenden Anordnungen, Konstruktionen, Permutationen, den Rhythmen dieser meist herrischen Wortsetzungen. Jürgen Beckers erste Buchtexte muteten mich, im Vergleich etwa zu denen Franz Mons, Eugen Gomringers und Konrad Bayers, zu wenig rhythmisch, zu wenig durchorganisiert, auch zu inhaltsbezogen an – mich, der ich doch selber nur von Inhalten, von Tiefenbildern ausging – und vor allem nicht »suggestiv« (tut mir leid für das Wort) genug, in dem Sinn, wie ich zu der Zeit den Jazz und die Konkrete Poesie als parallele Suggestionen hörte. Heute freilich weiß ich, dass sowohl Felder wie Ränder nichts zu schaffen haben mit gleichwelcher Schulpoesie oder Poesieschule. Ohne die Texte eigens wiederzulesen, ist mir klar, dass es sich vor allem um Risse handelt, keiner Formenwelt angehörig als der des Jürgen Becker höchst- wie tiefstpersönlich, um Umrisse einer Eigenwelt ohne jede verfügbare, gereihte, serielle, rhythmisierbare Form oder Vorform, Umrisse, gekennzeichnet durch eine Art, wie nur Jürgen Becker sie hat: sein spezielles Zögern, das, eins der von ihm häufigstgebrauchten Wörter auch, all seine Bücher durchzieht, so wie die »Äpfel«, der »Schnee«, die »Gurken aus dem Spreewald« und die »Kiefern im Märkischen Sand«. All seine Bücher haben den Grundzug eines zögernden Umreißens, und besonders jetzt wieder das vorerst letzte, Die folgenden Seiten.

Auch die Kritik »unrhythmisch« würde ich nun zurücknehmen, tat das schon insgeheim beim Lesen später von songähnlichen Seiten im Ostende-Buch: »Den ganzen Tag glaubte ich mir kein Wort… An den Worten, an den Mustern lag es nicht, es lag an mir, der den ganzen Tag nicht zurecht kam mit einer Gewohnheit, die alle Nachdenklichkeit ersetzte. Ich war auch an diesem Tag nicht besonders nachdenklich … aber es war ein harter Tag, ich glaubte mir kein Wort. Meine einzige Hoffnung dabei war, daß niemand es merkte, und als der Tag so gut wie herum war, hatte ich eigentlich auch schon die Gewißheit, daß es wirklich niemand gemerkt hatte. So bewegte ich mich über Eis, über sehr dünnes Eis, und am Abend dieses Tages war ich dann auch soweit, daß ich nur noch atmete.«

Und ich weiß heute auch, dass es vielleicht so etwas wie eine Konkrete Poesie gab, oder gibt, aber keine vorgestanzten Konkreten Poeten. Wissen tue ich das durch das Weiterlesen, das, hm, zögernde der Bücher Jürgen Beckers, und fast stärker noch durch das Jüngst-Lesen der Briefe von Carlfriedrich Claus, den ich mir damals als den sozusagen ostdeutschen Vertreter des weltweiten Claus vorstellte. Es sind das – jetzt gebrauche auch ich das Wort – wunderbare Briefe zwischen dem Schriftbildträumer Claus und dem älteren Malerfreund A. Wigand, und die Parallelität zwischen den Sätzen und vor allem den An-Sätzen Beckers und Claus’ traf mich so anders als die behauptete zwischen Konkreter Poesie und einem gewissen Jazz. Carlfriedrich Claus: »Den Blick füllen mit alter Schrift und Schrift-Figur. (Die Abbild ist: der inneren Figur einer Phase des großen Experiments: Natur– wie Mensch-Werdung.) Innewerden der: noch nicht abgelaufenen Subjekt- und Objekt-Erläuterungen.« Und Jürgen Becker, zwanzig Jahre später im Zug nach Ostende, unterwegs zum »zweiten Leben« (wie Doderer das Leben des Erzählers genannt hat): »Im Gefüge der möglichen Geschichten bewegen sich Körper und Dinge, die vom Erzählbaren ablenken, es aufhalten oder verdrängen, es rührt ja an die Sperre, die dazwischen steht, etwa zwischen dem Aufruhr des Farnkrauts und der Reaktion der Sinne.«

Konkrete Poeten? Oder doch eher Mystiker? Nein, das wäre eine andere Falle, die Hauptwort-, die Substantivfalle. Bleiben wir bei den Verben, den Zeitwörtern. Beide, Claus wie Becker, sie schreiben, sie umreißen, umzirkeln, spiralisieren, ob in Schriftbildern oder rein in der Schrift. (Und vielleicht wäre es auch an der Zeit, etwa Gomringer und Franz Mon unter einem freieren Aspekt zu lesen, zu beäugen.)

»Das Erzählen darf nicht aufhören, muss immer wieder neu anfangen…«

Jenes »zweite Leben«, von Doderer in seinen Tagebüchern immer wieder beschworen, Jürgen Becker hat es, nach einer jahrzehntelangen, langwierigen, zögernden »Verwandlung« zu seiner und unserer, der Prosa-Leser, Sache gemacht in dem von ihm so genanten Journalroman Schnee in den Ardennen. Doderer hat gesagt, Prosa entstehe »auf einem Boden, wo kein Halm des Mitteilungsbedürfnisses mehr sprießt«. Sie sei »Mitteilung ohne Mitteilungsdrang … also ein Ausdruck. Da die Welt als solche überhaupt dichterisch ist: so hat der Schreibende nur immer den jeweils richtigen Abstand und Blickpunkt zu finden, und schon umgibt ihn als Atmosphäre der Geruch des Schöpfers. Mit dem ersten völlig uninteressierten Blicke auf alles, wie es ist, beginnt seine Sendung, schlägt der erste Takt der endlich eignen Symphonie.«

Solche Sätze umreißen in meinen Augen Beckers Schnee in den Ardennen fast, zum Glück nur fast, vollständig, Haus und Hof, und ebenso das Wie von Haus und Hof, den Schnee, und sein Wie, die Äpfel, und ihr Wie. »Nebendraußen«, das wäre ein anderes, ein Hermann-Lenz-Wort, für jenes zweite Leben, das des Erzählers. Und was erzählt, umreißt, konturiert der? Zum Beispiel das völlig unversehrte Obst unter einem Apfelbaum mitten im Winter. Ein selten benutztes Zimmer im Haus. Die Hoflampe, die bei Wind auf den Bewegungsmelder reagiert (vor 20 Jahren war sie einfach nur die Hoflampe). Die Totenglocken nachmittags um drei. Die anhaltende Bombenerwartung beim Blick zum Himmel. Das verschiedene Verhalten der verschiedenen Vögel, Meise, Specht, Häher, Star, Elstern, Krähen. Das Summen des Teekessels und die Sirenen, »plötzlich«, im Krieg. Das allmähliche Verschwinden des Wortes »plötzlich«.

Es ist zu lernen aus den Büchern Jürgen Beckers – aber keine Angst vor diesem Lernen: denn der Schreiber, der Autor ist selbst dabei ein unentwegt Lernender. So ist statt »Lernen« vielleicht eher das Wort »Einsicht« am Platz, und zu solchem Hauptwort gehört in der Tat einmal das Zeitwort »gewinnen«, wie überhaupt das Lesen seiner Bücher, im Gegensatz zu so vielen Büchern, ein Zeitgewinn ist – Lesen als Zeit gewinnen: Zeichen der Literatur. Wenn Lernen bei Jürgen Becker, dann ein begütigendes. Es ist nämlich – ohne Angst auch vor diesem Wort – das Herz im Spiel, in dem Sinn der Formel, wiederum Carlfriedrich Claus, vom Herzen als dem »Impulskern«, zur »Resurrektion« von Mensch wie Natur, zur »Natur – wie Menschwerdung«, wozu ein Antwortsatz seines Malerfreundes Wigand passt: »Paula Modersohn hatte keine leichte Hand, aber ein brennendes Herz.« Und in ähnlicher Weise schafft die Prosa Jürgen Beckers zuletzt noch etwas anderes als ein Mitsehen, ein Mitlernen, eine Einsicht: den Einklang.

Und zuletzt drängt es mich anzufügen, dass ich aus Jürgen Beckers Prosa Einsicht gewonnen habe, kennen gelernt habe eine Liebe, eine andere Liebe zu Deutschland, mit Betonung auf »Land«, auf »Länder«, eine zögernde, herzhafte, sorgsame Liebe, zu den Chausseen im Osten, zu dem Bergischen Land im Westen, eine schmerzhafte, kindliche, untröstliche Liebe, die so gar nichts im Sinn hat mit dem »Stolz auf Deutschland«, eine, ja, Heimatliebe, die beim Lesen sogar Lust auf das deutsche Essen und Trinken machen kann, auf »Spiegeleier mit Bratkartoffeln«, auf einen »Batzen Leberwurst«, »Gurken« /aus dem Spreewald, genannt »Spreelinge«/, einen »Korb voll Brot« 

So!, wie Siegfried Unseld sagte, um die Übergänge in seinem Reden zu markieren. So! Und jetzt lasst uns hier an den Rändern, nah den Feldern, weitab von den Zentren, den Sommer feiern, und mit ihm den Jörn Winter alias Jürgen Becker. Das Fest soll verpuffen. Das Erzählen nicht. »Es darf nicht aufhören, man muß es immer wieder anfangen, dieses Sprechen, dieses Erzählen, und ich hoffe…« Und was mich angeht, so hätte ich das »ich hoffe« vor den drei Punkten ersetzt durch ein: »Ich bin zuversichtlich…«

Gekürzte Fassung. Die Originalfassung wird im Novemberheft der Zeitschrift »Sinn und Form« (Nr. 6/06) erscheinen

Der Preis
Hermann Lenz (1913–1998) gehört zu den vielen Autoren, die Peter Handke für uns Leser entdeckt oder wiederentdeckt hat. Eine ähnliche Rolle spielt der von Hubert Burda gestiftete Hermann-Lenz-Preis, zu dessen Juroren Handke gehört und der jetzt Jürgen Becker zugesprochen wurde. Auch Becker, den Dichter selbstvergessener Beobachtung und Erinnerung, muss man wohl wiederentdecken. Dazu gibt es bald neue Gelegenheit, denn in Kürze erscheint sein Buch »Die folgenden Seiten«, das der Autor selber »Journalgeschichten« nennt. Jürgen Becker, geboren 1932 in Köln, lebt eben dort. Der Hermann-Lenz-Preis wurde diesesmal Mitte Juli in Meran vergeben.

©  DIE ZEIT, 03.08.2006

15.9.06 15:33
 


Aus "Der Untergeher" von Thomas Bernhard

"Tatsächlich konnte ich ja sagen, er war zwar unglücklich in seinem Unglück, aber er wäre noch unglücklicher gewesen, hätte er über Nacht sein Unglück verloren, wäre es ihm von einem Augenblick auf den anderen weggenommen worden, was wiederum ein Beweis dafür wäre, dass er im Grunde gar nicht unglücklich gewesen ist, sondern glücklich und sei es durch und mit seinem Unglück, dachte ich. Viele sind ja, weil sie tief im Unglück stecken, im Grunde glücklich, dachte ich und ich sagte mir, dass Wertheimer wahrscheinlich tatsächlich glücklich gewesen ist, weil er sich seines Unglücks fortwährend bewusst gewesen ist, sich an seinem Unglück erfreuen konnte. Der Gedanke erschien mir auf einmal gar nicht absurd, nämlich zu denken, dass er Angst hatte, dass er sein Unglück verlieren könne aus irgendeinem mir nicht bekannten Grund und deshalb nach Chur und nach Zizers gefahren ist und sich umgebracht hat. Möglicherweise müssen wir davon ausgehen, dass es den so genannten unglücklichen Menschen gar nicht gibt, dachte ich, denn die meisten machen wir ja erst dadurch unglücklich, dass wir ihnen ihr Unglück wegnehmen. Wertheimer hatte Angst, sein Unglück zu verlieren und hat sich aus diesem und keinem anderen Grund umgebracht, dachte ich, durch einen raffinierten Kunstgriff hat er sich der Welt entzogen, sozusagen ein Versprechen eingelöst, an das schon keiner mehr geglaubt hat, dachte ich, genau der Welt entzogen, die ihn wie seine Millionen anderer Leidensgenossen tatsächlich immer nur glücklich machen wollte, was er aber mit der größten Rücksichtslosigkeit gegen sich und gegen alles andere zu verhindern wusste, weil er wie diese anderen auch, sich auf die tödliche Weise, an sein Unglück wie an nichts sonst gewöhnt hatte."

15.9.06 14:54
 


„immer mehr unserer importe kommen aus dem ausland“ - george geher bush

15.9.06 14:25
 


waschtag hat begonnen, hausmeisterin getroffen, erotische begnung in der waschküche, ich mit sturmfrisur wie einstein und toilettenfehler, wie ich nachher bemerkte, sie in sexy haushose, sie hat noch fetzen im trockner

15.9.06 13:24
 


gerade einen fehler im duden entdeckt: zumindest stimmt es nicht mit meiner meinung und...hab nachgeschaut, auch nicht mit der ansicht von wikipedia überein....libertin ist doch kein eigentlicher freigeist, unter freigeist stell ich mir was anderes vor /sexuelle ausschweifungen/....ich seh halt einen unterschied zwischen freigeist und wüstling....oder meint der duden einfach die veraltete form...wahrscheinlich... libertin= /veraltet/freigeist; wüstling....ist nicht ganz schlüssig

15.9.06 00:58
 
15.9.06 23:26
 


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